Über Mut, Verantwortung und den Weg, einen eigenen Stil zu finden.
Manchmal merkt man erst im Rückblick, wie viel eigentlich passiert ist.
Zehn Jahre klingen schnell gesagt. Aber wenn man genauer hinschaut, stecken darin Entscheidungen, Zweifel, Verantwortung – und vor allem ein Weg, den man nicht einfach so nebenbei gegangen ist.
Als ich Stil Frisuren gegründet habe, war das keine spontane Idee. Es war ein Schritt, der lange gereift ist. Ich habe vorher rund 16 Jahre im Salon meiner Eltern gearbeitet. Und eines ist mir wichtig: Ohne diese Zeit wäre ich heute nicht da, wo ich bin. Meine Eltern haben mir viel mitgegeben – fachlich, menschlich, im Umgang mit Kunden. Dafür bin ich dankbar.
Und trotzdem kam irgendwann dieser Punkt, an dem ich gemerkt habe: Wenn ich meinen eigenen Weg gehen will, dann muss ich ihn selbst gehen. Es gab nie diesen einen klaren Zeitpunkt, an dem feststand, wann ich den Salon übernehmen würde. Also musste ich eine Entscheidung treffen. Mit zwei Kindern, einem Hausbau im Kopf und einer großen Verantwortung im Rücken. Kein perfekter Moment – aber wahrscheinlich genau deshalb der richtige.
Also habe ich meinen eigenen Friseursalon in Andernach gegründet. So, wie ich ihn mir vorgestellt habe.
Die ersten Jahre waren ehrlich gesagt alles andere als leicht. Ich bin nicht alleine gestartet, sondern direkt mit einem Team von vier bis fünf Mitarbeitern. Das klingt im ersten Moment stark – bedeutet aber vor allem eins: Verantwortung. Verantwortung für Menschen, für deren Einkommen, für deren Zukunft. Und gleichzeitig die Frage im Kopf: Funktioniert das alles wirklich so, wie ich mir das vorstelle?
Diese Frage verschwindet übrigens nie ganz. Auch heute nicht.
Natürlich gab es keinen Punkt, an dem ich sagen würde, wir wären kurz vor dem Scheitern gewesen. Dafür bin ich zu ehrgeizig und wahrscheinlich auch zu stur. Aber es gab viele Momente, in denen man innehält und sich fragt, ob man die richtigen Entscheidungen trifft. Und wenn man ehrlich ist, gehört genau das dazu. Wer denkt, er hat nach ein paar Jahren alles im Griff, hat wahrscheinlich aufgehört, sich weiterzuentwickeln.
Die letzten zehn Jahre haben uns im Friseurhandwerk mehr verändert als viele Jahrzehnte davor. Mitarbeiterstrukturen, Erwartungen von Kunden, wirtschaftliche Einflüsse – und dann kam noch Corona dazu. Eine Zeit, die viele Salons nicht überstanden haben. Für uns war sie ein weiterer Beweis dafür, dass wir die Jahre davor einiges richtig gemacht haben. Nicht perfekt. Aber stabil.
Was sich in dieser Zeit am stärksten verändert hat, ist die Haltung. Früher ging es oft darum, Trends umzusetzen. Heute geht es darum, Lösungen zu schaffen. Kundinnen wollen nicht mehr nur „schön aussehen“, sie wollen, dass ihre Haare im Alltag funktionieren. Dass sie sich darauf verlassen können. Dass sie morgens nicht kämpfen müssen.
Und genau das hat auch meine Arbeit als Friseur verändert.
Ich habe schon immer großen Wert auf Qualität gelegt. Vielleicht auch, weil ich es von Anfang an so gelernt habe. Aber heute reicht Qualität allein nicht mehr. Du brauchst Systeme. Du brauchst Struktur. Du brauchst ein Team, das versteht, worum es geht. Und du musst bereit sein, dich ständig zu hinterfragen. Denn eines ist klar: Wer heute nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.
Was mich in unserer Branche nach wie vor beschäftigt, ist das Thema Preis. Viele Friseure arbeiten noch immer zu günstig. Das Problem ist: Das funktioniert nicht mehr. Zumindest nicht langfristig. Qualität hat ihren Preis – und sie muss ihn auch haben. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass man liefern muss. Hochpreisig arbeiten kann nur der, der bereit ist, konstant auf einem hohen Niveau zu arbeiten. Alles andere funktioniert nicht.
Für mich war immer klar, dass ich meinen Salon anders denken will. Nicht laut, nicht übertrieben – sondern durchdacht. Deshalb haben wir den Raum so gestaltet, dass Kunden sich nicht wie in einer Reihe fühlen, sondern ihren eigenen Bereich haben. Eine ruhigere Atmosphäre, klar getrennte Bereiche, mehr Individualität. Kein Zufall, sondern eine bewusste Entscheidung.
Und trotzdem: So ein Salon funktioniert nicht wegen der Einrichtung. Er funktioniert wegen der Menschen.
Mein Team ist der Grund, warum das Ganze läuft. Und ich sage das nicht, weil man das so sagt, sondern weil es die Wahrheit ist. Ohne ein funktionierendes Team hast du keinen funktionierenden Salon. Mir ist wichtig, dass jeder weiß, woran er ist. Klare Kommunikation, direkte Ansprache. Das sorgt nicht immer dafür, dass alles ruhig ist – aber dafür, dass Dinge geklärt werden. Und genau das schafft Vertrauen. Wir haben Spaß bei der Arbeit. Und wenn es mal knallt, wird es angesprochen und gelöst.
Genauso wichtig sind unsere Kunden.
Wir arbeiten heute mit Menschen, die bewusst entscheiden, wohin sie gehen. Die Qualität schätzen. Die bereit sind, in sich zu investieren. Und vor allem: die uns über Jahre hinweg treu bleiben. Ich habe Kunden, die seit 15 oder 20 Jahren zu mir kommen. Das ist nichts, was man planen kann. Das ist etwas, das man sich über Jahre erarbeitet.
Es sind nicht nur die großen Veränderungen, die hängen bleiben. Natürlich sind Typveränderungen Momente, die im Kopf bleiben. Aber oft sind es die Gespräche. Die kleinen Situationen. Die Geschichten, die man nebenbei mitbekommt. Manchmal habe ich das Gefühl, wir Friseure sind mehr als nur Dienstleister. Ein bisschen Zuhörer. Ein bisschen Begleiter im Alltag. Und genau das macht diesen Beruf so besonders.
Wenn ich heute auf die letzten zehn Jahre schaue, dann sehe ich keinen perfekten Weg. Aber ich sehe einen ehrlichen. Einen Weg mit Entscheidungen, mit Verantwortung, mit Entwicklung. Und mit einem klaren Ziel: Dinge besser zu machen. Nicht größer, nicht lauter – besser.
Und genau das ist auch der Blick nach vorne.
Ich habe keine große Vision im Sinne von „wir wollen expandieren“ oder „wir wollen wachsen um jeden Preis“. Mir geht es darum, das, was wir machen, noch besser zu machen. Klarer. Strukturierter. Stärker. Für unser Team und für unsere Kunden.
Wenn man zehn Jahre zurückblickt, bleibt vor allem eines: Dankbarkeit.
Für das Vertrauen.
Für die Treue.
Für all die Menschen, die diesen Weg möglich gemacht haben.
Und gleichzeitig entsteht etwas anderes:
Vorfreude.
Auf das, was kommt.
Auf die nächsten Schritte.
Und auf alles, was noch besser werden kann.




